Heute mal Kulinarisch

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Heute mal Kulinarisch

Category : Blog

Da ich durch meine Arbeit wenig Zeit habe für private Fotoprojekte überlege ich nach und nach, ob ich nicht mein liebstes Hobby mit der Fotografie verbinden sollte..
Waaas, nicht Fotografie ist Dein liebstes Hobby? Du knipst doch dauernd, könnte man denken. Aber vor der Fotografie hab ich schon immer gerne gekocht.
Durch meine Aufenthalte im Ausland habe ich echt eine Menge geilen Zeugs gegessen und so vor allem in der asiatischen Küche mit ihren unendlichen Geschmacksrichtungen ein wahrhaft „gefundenes Fressen“ gewonnen.

Es gibt Kräuter und Gerichte, die sich einem erst mit der Zeit erschließen, ein gutes Beispiel ist Koriander. Sieht aus wie Blattpetersilie, hat aber einen komplett anderen „seifigen“ Geschmack. 2006 habe ich mir auf dem Wochenmarkt Premier Mai in Algier so ein Bündel Koriander geholt, da ich Petersilie für eine Suppe brauchte. ZackZack, SchnippelSchnippel habe ich das ganze Bündel in die Suppe gefegt und wurde mit einem scheußlichen Geschmack belohnt.. Boah, hab ich das Zeug gehasst! Ich konnte partout nicht verstehen, wie sich sowas jemand irgendwo ins Essen reintut..

Immerhin lernte ich in Algier Harissa und Merguezwürstchen kennen und wie man aus echten Grundzutaten sein Essen so ganz ohne Instantgewürze zusammenkocht.

Erst 1 1/2 Jahre später in meinen Jahr in Indonesien lernte ich, dass Koriander essentiell für eine gute Tom Yang Suppe ist (eine scharf-saure Suppe mit Garnelen) und kam immer mehr auf den Geschmack.

Indonesien war ein Mekka für gutes Essen! Die Indonesier selbst frittieren für ihr Leben gern und haben paar echt tolle Gerichte (die besten Satesaucen weltweit!!), aber weit wichtiger war der regionale Einfluß der anderen Staaten für die Gastronomieszene in Jakarta!
Waygu aus Australien, Gerichte aus Thailand wie eben Tom Yang, Sushi aus Japan, richtige Chinarestaurants mit handgemachten-und gewirbelten Nudeln, Indisch und so viele andere Einflüsse, die in eine Fusion Food Gastronomie führen..
Kulinarisch unglaublich spannend!
Ich habe nur zweimal in meinen Indonesien-Jahr eine Lebensmittelvergiftung gehabt- einmal durch unsere eigene indonesische Köchin (weil mein älterer Kollege auf deutsches Essen bestand und Frikadellen aus Schweinefleisch NICHT durchgegart in einer schwülen 40 Grad Umgebung der Blitzkrieg für Magen/Darm sind) und beim zweiten Mal war es vor den Besuch des Borubudur Tempels auf Yokjakarta, wo ich ein Chicken Wrap bei einer berühmten Fast Food Kette mit dem goldenen M hatte.. Das war ein wirklicher Angriffskrieg! Ich dachte wirklich, ich gehe von dieser Welt; dank einer Überdosis Immodium Akut konnte ich noch den Tempel sehen, aber ich habe gelitten!

In den folgenden Jahren konnte ich mein Spektrum erweitern durch noch mehr Tom Yang Suppen in Thailand und viele andere Sachen, die ich mir in anderen Straßen Bangkoks gekauft habe. Tom Yang ist an sich schon eine Suppe, die durch ihre Schärfe pures Leben einhaucht, aber ausgerechnet in einem Deutschen Restaurant inmitten von Bangkok habe ich meinen Gegner in dieser scharf-sauren Garnelen Suppe gefunden… Die war so scharf, dass ich nicht mal mehr die Garnelen in der Suppe ohne Schmerzen essen konnte.. Auch das Bier, das daneben stand konnte mein Leid nicht lindern.. Da hing ich zum Gelächter der Tischrunde schwitzend über dieser riesigen nicht enden wollenden Schüssel und wusste, das dies nur der erste Akt in meiner Welt der Schmerzen war (ihr wißt, jedes scharfe Gericht verdaut man zweimal).

Ach, und wo ich von Schärfe rede: ich war erst paar Tage in Jakarta und hatte das Glück, mit einem meiner besten Kumpel zusammenzuarbeiten. Hell zeigte mir voller Eifer die besten Läden Jakartas. Als wir zusammen auf einem Empfang der malaysischen Botschaft geladen waren, habe ich die erste Erfahrung mit dem lecker eingelegten süss-sauren Gemüse gemacht, den „Pickles“; leider entpuppte sich ein Minigürkchen als ultrascharfe Chilli, die ich als Ganzes gegessen habe… Da hing ich piekfein im Anzug und Schnappatmung und die asiatischen hochrangigen Tischachbarn guckten mich nur verstört an, bis mir die Freundin von einen Kollegen die lindernde Schokocreme vom Buffet holte…

Habe ich schon erwähnt, dass ich ein Talent habe, mich in aller Öffentlichkeit zu blamieren?

Witzigerweise habe ich in New Delhi wie auch Goa kein einziges Mal Magen/Darm Beschwerden gehabt (den berüchtigten Delhi Belly). Erst in Delhi habe ich angefangen, indisches Essen zu Lieben! Indisches Essen ist sehr komplex mit seinen Würzmischungen..
Wo andere Kulturen wie Thailänder, Vietnamnesen oder Japaner für ein gutes Essen wie eine kleine Band oder ein Streichquartett sind, ist indisches Essen mit seinem Übermass an Gewürzen wie ein pompöses Orchester! Wer einmal in Old Delhi am Spice Market war, kann sich das Ausmass gut vorstellen- überall atmet man in der Hitze diese Melange an Gewürzen und Chillis ein und hat das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen…
Wer indischs Essen mag, sollte mal selber den tollen Paneerkäse machen; ein schnittfester, frischer Käse aus Kuhmilch, den man hervorragend braten und würzen kann..
In Hongkong habe ich absichtlich in den „einheimischt“ wirkenden Läden gegessen, wo sich sonst kein Touri hin verirrt- immer mit der Devise, wo viele Einheimische essen, da gehste hin. Und ich habe da wirklich hammer Suppen und auch Dumplings (gedämpfte Teigtaschen mit Füllung) gegessen. Kulinarisch ist Hongkong der Burner! Peking fand ich auch gut, aber da gabs oft Probleme mit der Verdauung..

Zum Glück muss man nicht weit reisen, um gutes Essen zu bekommen! Habe ich noch 2010 den besten Burger überhaupt in New York gegessen, so bekomme ich jetzt in unmitelbarer Nachbarschaft einen Burger aus frischen Bio Beef Medium an den Tisch serviert (mit unglaublich krossen Pommes; Stichwort: Tofino).

Für Fans der asiatischen Küche empfinde ich Berlin als Mekka! Alleine vom Preis-Leistungsgebot bekommt man dort alle authentischen Gerichte.. Ich danke immer noch dem „Onkel Ho“ für meine erste vietnamnesische Pho Bo Suppe!

Zudem tut sich was in der kulinarischen Streetfoodszene, wobei ich den Begriff nahe am Abgrund der Überstrapaziertheit empfinde…

Und mit etwas Geschick läßt sich die eine oder andere Urlaubserfahrung auch nachkochen!
Und das werde ich heute mit der Pho Bo Suppe machen, wo in einer Rindfleisch/ Nudelsuppe kurz vor dem Essen dünn geschnittene Filetscheiben in die heiße Suppe zum Durchziehen serviert werden..

Ein Gedicht!

Zum Schluß will ich noch loswerden:
Nicht durch Sprache lernt man Länder kennen, sondern durch das Essen!

In diesen Sinne

Euch einen schönen Sonntag auch ohne Fotos


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