Mein Besuch auf der Chinesischen Mauer

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Mein Besuch auf der Chinesischen Mauer

Category : Blog

Im September 2015 erfüllte ich mir einen Lebenstraum und tat meine ersten Schritte auf der Chinesischen Mauer. Eigentlich ist sowas ziemlich unspektakulär und irgendeinen erfüllbaren Wunsch gibt es immer. In meinen Fall war ich seit den 80ern viele Jahre lang Fan des chinesischen Fantasy Kinos. Filme wie „A Chineses Ghost Story“ revolutionierten meine Sehgewohnheiten mit in der Luft schwebenden Kämpfern und sagenumwobenden Schwertern. Bis dahin kannte ich nur die „Fresse dick“ Filme mit Bud Spencer und Terence Hill und schlecht gemachte Horrorfilme..
Ich war fasziniert von so einem Land, welches eine lange imposante Mauer als Verteidigungswall bauen konnte und sagte mir, dass ich da eines Tages mal drauf stehe.
Für einen jungen Ostfriesen aus einem kleinen Dorf nahe Leer war das schon ein hoch gesteckter Traum. Wie das Leben so ist, kommt irgendwann der Alltag, der Beruf und jährliche freizeit-kompatible Erholungsreisen; eine Fernreise kam mir immer ferner vor.. Bis ich beruflich die Chance bekam, meine Hobbit-artige Gemütlichkeit auf die Probe zu stellen und im Ausland zu arbeiten. Nach Ländern wie Algerien, Tunesien, Indonesien und Städten wie New York City und Istanbul hatte ich plötzlich diese Neugier und Hunger auf mehr Länder. Irgendwie war ich angefixt, auch mal woanders meinen Urlaub zu verbringen und so nutzte ich meine Kontakte weltweit und besuchte Freunde und Kollegen in Ländern wie Burkina Faso, New Delhi, Bangkok und nun Peking und Hongkong (zu Hongkong habe ich neben Peking auch einen Ordner hier erstellt und ein Blog folgt auch noch).

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Als wir am 26.09. mit unserem Fahrer aufbrachen, war ich hundemüde. Den Abend zuvor gab es ein unglaublich tolles Teppanyaki Essen mit vielen Leuten und das Essen war sehr reichhaltig und zu Trinken gab es ja auch noch was. So hatte ich mit Sodbrennen zu kämpfen und konnte daher schlecht einschlafen. Unser Fahrer konnte nicht wirklich viel Englisch und fuhr den Wagen permanent sowas von untertourig, das ich schon den Kaleun schreien hörte „Dass muss das Boot aushalten, Männer!!“. Da war an Schlaf durch den Pekinger Berufsverkehr auch nicht viel zu denken. Außerhalb Pekings wurde es angenehm ländlich und es gab einige Ziegenherden, die unseren Weg kreuzten. Für unseren Fahrer alles kein Problem und wir waren ja eh nicht auf der Flucht..
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Nach knapp 2 Stunden Fahrt kamen wir an einem touristisch unerschlossenen und unrenovierten Stück Mauer an. Es gibt bekannte Aussichtsstätten wie Badaling oder Mutianyu, die sicher sehr schön sind, aber es sollen dort sehr sehr viele Touristen sein, und ich wollte gerne etwas Anderes.
Der Aufstieg zur Mauer war wirklich anstrengend für einen müden Exilostfriesen; zudem mussten wir an einem Privatgrundstück einer pfiffigen Restaurantbesitzern vorbei, die entweder „Eintritt“ nimmt oder man verspricht, bei ihr was zu essen. Da Tobias, mein Begleiter, auch kein Hungeropfer ist versprachen wir die spätere Einkehr an ihrem Tisch.
Der sehr steile Aufstieg auf der Mauer war schon anstrengend, da die Stufen teilweise fehlten oder einfach durch eine gerade Bodenfläche abgelöst wurden (vielleicht so ein Verteidigungsding, um Angreifer besser nach unten zu drücken).Tobias blieb am unteren Stück und ich kämpfte mich Schritt für Schritt nach oben durch (dank Ibuprofen).

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Hölle, war das steil! Aber der Ausblick und das Gefühl, da oben zu stehen, ging mir durch Mark und Bein! Dieser Moment, wo ich da oben alleine stand und mir alles klar wurde, wo ich denn jetzt stehe (auf der Chineischen Mauer!! Yeah!), löste ein unglaublich tiefes, erlösendes Gefühl aus! Normalerweise wird einem ja die Exotik des Augenblicks oft erst Jahre später bewusst, aber an jenen Samstag vormittag war ich einfach nur glücklich!