Bokeh

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Bokeh

Bokeh
Wenn man sich näher mit dem Thema Fotografie beschäftigt, dann stolpert man immer mehr über fremdartige Begriffen. Es fängt bei Blende, Tiefenschärfe, Schärfentiefe oder Verschlußzeit an und irgendwann wird es pervers: denn alle reden über Bokeh. Was sich erstmal wie der Mittelpunkt eines Erwachsenenfilms anhört ist tatsächlich japanisch und das absolute Gegenteil von allem, was man unter Scharf versteht.
Dazu schreibt Wikipedia.de:
„Bokeh (von jap. 暈け, auch ぼけ oder ボケ geschrieben, boke „unscharf, verschwommen“)[1] ist ein in der Fotografie verwendeter Begriff für die Qualität eines Unschärfebereichs. Unscharfe Gebiete eines Fotos (oder Films) werden von einem Objektiv durch Projektion auf eine Abbildungsebene (heute typischerweise einen Lichtsensor) erzeugt. Sie sind sozusagen „Erfindungen“ des Objektivs; das Auge sieht die Unschärfen nicht oder anders. Bokeh versucht, die meist subjektive, ästhetische Qualität dieser objektivabhängigen Unschärfen zu kennzeichnen; dabei geht es nicht um die Stärke der Unschärfe, sondern darum, wie die Unschärfebereiche aussehen, etwa wie Ringe oder Kreise. (…)“
Hört sich alles erstmal komisch an, dabei ist es tres simple: nehmt ihr ein Foto mit eurem iphone auf und habt alles scharf, so dass man hinten auf der Geburtstagsfeier noch Tante Erna winken sieht, ist das kein Bokeh, denn auch wenn Tante Erna vielleicht verschwommen sieht, so seht ihr eure Lieblingstante noch schärfer als euch jemals lieb war.
Fokussiert ihr dagegen auf ein Motiv ganz nah an eurer Kamera und hinten sieht man nur noch eine Ahnung dessen, was da mal vorher war, dann kommen wir in das beliebte Theorem des Bokehs; hier entscheidet sich nicht alleine nur Unscharf, sondern auch, wie schön sich die Details im Hintergrund verlieren, also wie cremig das Ganze ausschaut und wie z.B. Lichter abgebildet werden.
Hilfreich dazu ist eine Kamera, bei der ihr die Objektive wechseln könnt, also eine Systemkamera; dazu ein möglichst großer Sensor und ein Objektiv mit einer Blende zwischen f1,2 bis f5,6; wobei eine Blendenöffnung von 5,6 nur bei einen Objektiv mit langer Brennweite gut funktioniert.
Kurzum, um das Subjekt schön vor einen verschwommenen Hintergrund zu separieren, braucht es viel Glas im Objektiv oder ihr setzt so ein Teleobjektiv dran..
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Im Foto links seht ihr ein schönes Beispiel für einen schönes Verlauf des Hintergrundes; die anderen Mohnpflanzen im Hintergrund ergeben ein stimmigen Verlauf und stören nicht das Hauptmotiv. Eine schöne Komposition, welches mittels eines Teleobjektiv mit hoher Blendenöffnung erreicht wird. Hier waren es 200mm bei Blende 2,8.
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Auf dem Foto rechts handelt es sich um einen Bildauschnitt: die Biene fliegt auf die Lavendelblüte zu und durch den Winkel hatte ich im Hintergrund abstand zu den nächsten Pflanzen, so dass hier der Hintergrund nur noch ein Mischmasch aus Grüntönen ist. Hier würde ich von einen besonders schönen Bokeh sprechen, wie sie typisch für ein Teleobjektiv der Luxusklasse bei Canon sind (es war das 70-200 2,8 IS USM L II,welches ich aber nicht mehr habe).

Das Bild unterhalb habe ich deshalb so groß gewählt, um den Eindruck zu verstärken, den es beim Betrachter auslöst: der Verlauf wirkt absolut unruhig. Ich hatte hier das Canon 35mm 1,4 USM benutzt (aktuell durch ein Sigma 35mm 1,4 ART ersetzt) und bedingt durch die kurze Brennweite von 35mm und trotz einer guten Blendenöffnung von f1,4 konnte ich es hier nicht schaffen, dass der Hintergrund ruhig verschwimmt.
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Ähnliches passiert auch, wenn ihr versucht vor Bäumen oder Büschen euer Motiv freizustellen, auch hier sieht es sehr schnell „unruhig“ aus und euer Objektiv muss schon verdammt gut und teuer sein, um den Nachteil des schlechten Hintergrundes wettzumachen..

Wie so oft in der Fotografie ist es eine Standortfrage, wie das Bild zur Geltung kommt. Mit einer günstigen Tele(zoom) Linse ist es auch möglich, schöne Bilder mit cremigem Hintergrund zu erzeugen- da muss es nicht teuer sein.. Aber moderne Objektive wie z.B. die Sigma ART Reihe helfen ungemein, schöne Bilder zu erzeugen, die sich in ihrer Bildsprache vom Einerlei abheben und dazu ein schönes „Bokeh“ liefern..movie Fifty Shades Darker 2017

Probiert und experimentiert, es lohnt sich!